Görüșürüz

Samstag, 31.05.2014

Erst setzt man sich in ein Flugzeug und fragt sich, wie man um Gottes Willen denn fünf Monate von allem Gewohnten und Geliebten fern bleiben soll…und Schwupps, ist die Zeit auch schon um.

Eigentlich steht mir noch gar nicht der Kopf danach, bereits jetzt ein Résumé zu schreiben. Bisher sind alle Eindrücke noch sehr frisch und das neue Einleben Daheim steht bevor.Was lässt sich dennoch über die vergangenen Monate sagen?

 

Vor allem ist doch der eigene Horizont erweitert worden. Kulturelle Besonderheiten, Unterscheide und auch Gemeinsamkeiten haben sich herausgestellt und mein Leben definitiv bereichert.

Die meist wuseligen Straßenverhältnisse haben mich vielleicht vorteilhaft beeinflusst und bewegen mich im seicht geordneten Deutschland dazu, die Sorgen über Bord zu werfen und einen Führerschein zu machen ;-)

Nach dem Kennen lernen von all den Köstlichkeiten, überwinde ich mich vielleicht doch etwas öfter in die Küche zu wandern und einen deutsch-türkischen-Mix in Pfannen und Töpfen zu zaubern.

So habe ich musikalisch auch eine fast vergessene emotionale Seite an mir entdeckt. Wohingegen Daheim vor allem HipHop, elektronische Musik oder Rock aus vergangenen Tagen gespielt wurde, kam ich hier an dem ein oder anderen türkischen Liebeslied nicht vorbei ohne auch etwas Schönes daran zu finden.

Am schönsten war jedoch die türkische Herzlichkeit, die an vielen Orten zu finden ist. Ich kam vielleicht besonders in den Genuss, da ich nicht in der Anonymität einer Großstadt wie Istanbul gelebt habe. Es reicht von Hilfsbereitschaft und Zivilcourage bis zu enormer Gastfreundschaft.

Und dies sind nur einige Beispiele, die mich innerhalb der letzten fünf Monate beeinflusst und verzaubert haben.

 

Natürlich habe ich aber auch einige Dinge, die Deutschland zu bieten hat, vor Ort vermisst.

Sei es der Besuch in einem Krankenhaus oder die generelle Organisation, die in Deutschland an allen Orten zu finden ist, auch wenn man es gar nicht immer als Solches wahrnimmt. Im alltäglichen Leben findet man diesen Fakt an jeder Straßenecke. Und das meine genau so.

Wohingegen es im Heimatland sicher tausend Regeln für das Bauen und Bestehen von Fußgängerwegen oder dem Absperren von Baustellen gibt, wandert man in der Türkei über krunkelige Fußgängerwege, die weder kontinuierlich gleich hoch oder breit sind oder ggf. Baustellen, die mit losen Pflastersteinen „abgesperrt“ werden.

Aber natürlich sind das nur Kinkerlitzchen, wenn an das Thema Organisation in der Türkei herangeht. Schließlich befindet man sich in einem Land in dem es die Regierung für nötiger hält, youtube zu sperren als zum Beispiel Interessenvertretungen in ordentlichem Maße zu zulassen, und sich vielleicht noch VOR einem Grubenunglück über die tägliche Arbeit von schwer arbeitenden Menschen ein Bild zu machen.

 

An diesem politischen Punkt angelangt neigt man dazu, die eigene Heimat sehr zu schätzen. Ob dies nur Schein ist, der trügt, wird sich zeigen. Wer weiß schon, was sich hinter geschlossenen Türen abläuft. Unterm Strich geht es uns in jedoch Deutschland sehr gut… wir sind satt…wir werden nicht in ausschweifendem Maße auf die Straße gehen. Ich wünsche es den Türken so sehr, so ausgehungert sie gesellschaftspolitisch doch sind, dass sie ihren Elefanten im Porzellanladen in naher Zukunft ordentlich in die Schranken weisen können.

 

Allein für solche Erkenntnisse, die man nicht aus den Nachrichten erfährt, sondern selbst erlebt, lohnt sich ein solches Auslandspraktikum alle mal.

Und auch wenn ich mich anfangs gesträubt habe einen persönlichen und öffentlichen Blog im Internet zu verfassen, merke ich jedoch an dieser Stelle, dass es sich gelohnt hat. Natürlich wird der Aufenthalt auf dem Papier etwas anders dargestellt und umfasst ganz andere Kriterien. Die Bewertung der örtlichen Arbeit wurde nieder geschrieben. Meine Türkisch-Lehrerin erwartet mich in Deutschland vor allem mit sprachlichen Fortschritten. Schließlich steht die Sprachprüfung noch aus.Doch neben diesen einfach zu bewertenden Vorgängen konnte ich mit Hilfe dieses Blogs meine Familie, Freunde, Bekannte und andere Interessenten über meine persönlichen Erfahrungen informieren.

 

Die Heimkunft rückt näher

Montag, 19.05.2014

--12.05.2014 - 18.05.2014 --

 

Die letzten Tage sind angebrochen. Das ändert natürlich eine Menge. Mit einem Schreck werden die ersten organisatorischen Tätigkeiten gestartet. Zugegebenerweise hätte man mit dem Einen oder Anderen schon früher anfangen können, aber hätte-hätte-Fahrradkette kommt nun auch nicht mehr in Frage.

 

So wird der nötige Papierkram Stück für Stück bearbeitet, Unterschriften eingeholt und sich nicht Nur langsam mit dem Gedanken angefreundet, dass man bald wieder Daheim ist.Im Grunde befindet man sich am Ende eines solchen Praktikums in einem seltsamen „Waberzustand“. Eigentlich ist man physisch anwesend. Eigentlich geht man, wie an jedem anderen Tag der letzten vier Monate, seiner inzwischen gewohnten Arbeit nach. Sieht nicht nur gewohnte, sondern auch zu schätzen gelernte Mitmenschen.Nur ist man wohl geistig nicht mehr ganz bei der Sache. Es fängt an zu rattern, was wird beruflich von mir erwartet, welche Verpflichtungen kommen mich wieder auf mich- kurz um: das eigentliche Leben muss wieder reorganisiert werden.

 

Dem Wankelmut zwischen Vorfreude auf Daheim und der Wehmut neu Entdecktes hinter sich zulassen, ist aber nur positives abzugewinnen. Denn selbst der Funken Wehmut ist vom Tisch gewischt, wenn man es von einem anderen Standpunkt betrachtet. So hat man sich vor einigen Jahren doch richtig entschieden dieses Praktikum zu machen, eine gute Chance ergriffen und hat in den letzten Monaten schöne und unvergessliche Erfahrungen machen dürfen.

 

Die Erkundung eines weiteren Lochs an meinem Gürtel

Montag, 12.05.2014

-- 03.05.2014 – 11.05.2014 --

 

Nachdem ich wieder vollkommen genesen war, konnte auch wieder durchgestartet werden.

So fand am Wochenende in der Stiftung ein Picknick statt, das zwar auch gut besucht war, jedoch in einem kleineren Rahmen gehalten wurde als das Spektakel am Kindertag. Viele Freunde der Stiftung und Familienmitglieder kamen vorbei, um im Garten miteinander zu Plauschen, Essen und Trinken. Wobei an diesem sonnigen Tag natürlich eine ordentliche Portion Tanz nicht fehlen durfte.

Dem darauf folgenden Tag wurde der Erkundung der Gegend mit einer Freundin gewidmet. Das nächste Örtchen ist nach kurzer Zeit weniger aufregend und Istanbul manchmal einfach zu viel des Guten. So entschieden wir uns für den Mittelweg und machten uns auf nach Büyükҫekmece. Eindeutig der richtige Entschluss- ein Spaziergang am Marmarameer ist jedem zu empfehlen. Dies gilt auch für die vielen türkischen Restaurants an der Promenade. Zu einem akzeptablen Preis aßen wir bei Sonnenuntergang extrem leckeres türkisches Allerlei.

Diese Woche war eindeutig der Schlemmerei gewidmet. Auch wurde ich von der Küchenchefin und dem „usta“ (Meister) der Stiftung zum Essen eingeladen. Nach der Arbeit machten wir uns auf nach Tekirdaǧ, um in einem Fischrestaurant zu essen. Normalerweise bin ich kein Freund von allem, was aus dem Meer kommt. An diesem Abend habe ich mich aber gern eines Besseren belehren lassen. Weiter ging es Daheim bei der Küchenchefin. Natürlich isst man 12 Uhr in der Nacht noch einmal ein halbes Kilogramm Eis.

Angesichts meiner Freizeitgestaltung in dieser Woche und dem derzeit hervorragendem Essen in der Stiftung war es das wohl mit der Sommerfigur ;)

Dem Alltag folgt das Kuddelmuddel

Mittwoch, 30.04.2014

-- 17.04.2014 – 27.04.2014 -- (-- 28.04.2014 – 04.05.2014 -- )

 

Nachdem der Besuch wieder Heim geflogen ist, endete die Woche ganz gemächlich und ohne weitere Vorkommnisse- schließlich schleicht sich selbst in einem fremden Land irgendwann einmal der Alltag ein.

 

Die nächste Woche sollte sich jedoch etwas außergewöhnlicher gestalten.

Am 23. April ist in der Türkei Kindertag. Natürlich geht dieses Datum an einer Stiftung für Kinder nicht spurlos vorbei. Nach unzähligen Vorbereitungen rauschte am Mittwochvormittag der erste Besuch an. Ich für meinen Teil habe die Stiftung nie so voll erlebt. Jedoch sollte sich im Laufe des Tages das eigens geschaffene Verhältnis von viel Besuch noch einmal verschieben. Nach Schätzungen der Leitung kamen an diesem Tag 1000 bis 1500 große und kleine Menschen in die Stiftung, um die Zeit miteinander im Garten zu verbringen und an den vielen Aktivitäten teilzunehmen. Neben Fußball und Basketball konnte man auch Schach spielen, die vorher geweißten Häuschen selbst bemalen, mit Knete hantieren, mit Ton arbeiten oder an Trommelkreisen teilnehmen. An einer Bühne lief den ganzen Tag Musik, die nicht nur wenige Menschen zum Tanzen anregte. Neben einem Geschenkestand für die Kinder konnte man auch Selbstgetöpfertes aus der hauseigenen Keramikmanufaktur oder Bücher des Gründers der Stiftung, Aziz Nesin, kaufen. Für die Verpflegung der vielen Gäste war natürlich auch gesorgt. Neben einem Börekstand, gab es z.B. auch einen Burgerwagen und eine dringend notwendige Teeküche ;) Die Stiftungskinder und eine weitere Freiwillige wurden in Clowns oder Prinzessinnenkostüme gesteckt und fanden bei Groß und Klein großen Anklang, sodass sie sich nun auf tausenden Fotos belustigter Erwachsener und begeisterter Kinder wieder finden. Für mich wäre diese Aufgabe in einem sehr Facebook begeisterten Land nichts gewesen. Zumal unserer lieben Prinzessin am Ende des Tages sicher schon die Wangen vom vielen grinsen wehgetan haben müssen. Ich selbst habe an diesem wunderbar warmen Tag ohnehin vom vielen hin- und hergerenne genügend geschwitzt- da möchte man nicht auch noch in einem rosa Plastikkleid stecken. Schlussendlich hat sich aber jede Anstrengung aller Organisatoren, Hilfskräfte, Köche oder Musiker gelohnt- es war ein rund um schöner Tag, der im kleinen Kreis aller Stiftungsmitglieder beim Grillen und einem Feuerchen ausklang.

 

Am Wochenende ging es dann schwupps di wupps ins Krankenhaus mit mir. Ohne deutsch – türkische und türkische Unterstützung wäre das wohl alles nicht möglich gewesen. Aus diesem Grund fällt der nächste Wochenbericht aus- wer will schon etwas über Medikamenteneinnahme lesen.

Die zweite Hälfte ist angebrochen

Mittwoch, 16.04.2014

-- 31.03.2014 – 15.04.2014 --

 

Wieder einmal hatte ich also das Glück, meine Erfahrungen in der Türkei mit einem geliebten Menschen zu teilen- mein Freund war zu Besuch.

 

Dieses Mal konnten wir ihm sogar eine männliche Unterstützung aus dem eigenem Heimatland zur Seite stellen. Wie es der Zufall so will, war zur gleichen Zeit der Freund einer weiteren Freiwilligen vor Ort. So war zum Beispiel der Arbeitsalltag für beide angenehmer gestaltet. Als junge Männer, die kein Wort türkisch sprechen, kann die Arbeit mit eingesessenen Türken schon allein kommunikativ schwierig werden und man ertappe sich dabei, nach Erfahrungsberichten der Beiden, mit der Zeit vollkommen zu verstummen. So gab es immer einen Gesprächspartner, der auch bei abendlichen Treffen in Fußballdiskussionen verstrickt werden konnte. ;-)

 

In unserer Freizeit sind wir, das ein oder andere Mal, nach Istanbul getuckert, was für mich wieder einmal nötig war. Auch wenn ich Istanbul nicht immer genießen kann, weil es überfüllt, laut und grell ist und ich mein kleines - von Natur umgebenes – Ҫatalca sehr lieb gewonnen habe, muss man doch ab und zu mal raus und etwas von der Welt sehen. So sind wir z. B. zum Taksimplatz gefahren, der für mich zwar nicht unbekannt ist, den ich ihm aber noch nicht gezeigt hatte. Das sich anschließende Musikerviertel ist meine neue „Entdeckung“. Für mich wohl eines der angenehmsten Stadtteile. Zwar war es an diesem wunderbar sonnigen und frühlingshaften Tag auch viel los auf den Straßen, aber mang all dem Berliner Graffiti fühlt man sich fast schon wie zuhause. Dies das gilt auch für andere Ecken Istanbuls. Sieht man z.B. einen Real neben einem Bauhaus, dann fühlt man sich geradewegs nach Berlin versetzt.

 

Vor seiner Abreise wurde mir noch ein Andenken hinterlassen. Der Chef der Stiftung hatte meinen Freund damit beauftragt, das erste kleine Häuschen am Stiftungseingang mit dem Namen der Stiftung zu verzieren. Gesagt, getan!

Die Abreise selbst gestaltete sich etwas schwieriger. Einmal im Leben muss jeder einen Flug verpassen. Probiert es aus- es macht tierisch Spaß!

...Proxy lässt niemanden im Stich

Montag, 31.03.2014

-- 24.03.2014 – 30.03.2014 --

 

In dieser Woche, war ich vor allem in freudiger Erwartung am Samstag für die nächsten 2 ½ Wochen Besuch und Unterstützung in der Stiftung zu bekommen.

Jedoch eilten dem Besuch die schlechten Nachrichten voraus. Am 28.03.2014 wurde nach Twitter nun auch Youtube geschlossen.Ja! Dieser Tag wird mir in Erinnerung bleiben ;-)                  Weitere Anmerkungen zu manchen Entwicklungen des Landes möchte ich an dieser Stelle nicht machen. Als unkommentiertes Exempel reicht es schon aus.

Noch verwirrender, sollte diese Woche zu Ende gehen. Abgehetzt rannte ich am Sonntag zur Arbeit. Schon in Gedanken an ein paar scherzhafte Worte zum eigenen Zuspätkommen. Den Satz, „Es tut mir Leid. Das kann ja jedem mal…“, konnte ich nicht einmal zu Ende bringen, da kam mir schon schallendes Gelächter von meinen Kollegen entgegen. Wie kann man auch ahnen, dass die Türkei einfach mal für sich entscheidet, wegen den Wahlen die Zeitumstellung auf Montag zu verschieben.

Wie sich Wahlen oder der Wahlkampf in der Türkei gestalten, muss an dieser Stelle erwähnt werden. Es ist einfach unglaublich, welcher Aufwand und Trubel wegen solcher Angelegenheiten veranstalten wird. Es beginnt bei dem Fahnenmeer auf größeren Plätzen und hört bei vereinzelten Fahnengirlanden in den Seitenstraßen der Städte auf. Zudem kommen öffentliche Kundgebungen oder auch „nur“ die herumfahrenden Autos, die in dröhnender Lautstärke zum Wählen der eigenen Partei mittels von Megaphonen aufrufen. Etwas bizarr angesichts mancher politischer Umstände…

Türkisches Allerlei

Montag, 24.03.2014

-- 17.03.2014 - 23.03.2014 --

In dieser Woche ist es an der Zeit, nicht nur über Erlebtes der letzten Tage zu schreiben, sondern auch über einige seltsame Eigenheiten des türkischen Lebens zu berichten.

Beginnen wir unappetitlich… auf der Toilette: ich glaube, wenn ich nach Hause komme, werde ich erst einmal den Eimer zum Wasser einfüllen und spülen suchen. Nicht nur in der Stiftung, sondern auch an anderen Orten, funktioniert einfach prinzipiell die Spülung nicht.

Genauso verhält sich der Öffentliche Personen Nahverkehr nicht entsprechend meiner bisherigen Gewohnheit. So ist der Berliner zwar Verspätungen gewöhnt, hier aber scheint es an manchen Orten gar keine geregelten Zeiten für An – und Abfahrten zu geben. Aber so kommt man mit den gemeinsam Wartenden auch einmal ins Gespräch und bekommt des Weiteren das hier vorherrschende Lebensgefühl vermittelt. Wie soll man denn auch ein hektischer Mensch unter Zeitdruck und mit Pünktlichkeitswahn in einer solchen Umgebung sein. Für das eigene Seelenheil hat diese, aus deutscher Sicht, schluderige Art doch auch seine Vorteile. Das Fahren mit dem Bus ist aber auch ohne diesen Aspekt ein besonderes Spektakel. Beginnt es bei dem hilfsbereiten Gewusel, das beginnt, wenn sich eine mit Einkäufen bepackte Dame dem Bus nähert und endet bei der Tatsache, dass gern einmal bei der Fahrt schon die Türen geöffnet werden. Fährt der Bus in diesem Moment durch eine staubige Straße…na ja, dann sind alle Passagiere eben mit einer gleichmäßigen Schicht aus Sand und Schutt bedeckt. Obwohl man an dieser Stelle auch anmerken muss, dass solche Erfahrungen vor allem vor den Toren Instanbuls gesammelt werden. Hier mögen die Straßenverhältnisse zwar abenteuerlicher werden, aber dafür die Menschen auch umso hilfsbereiter.

Eine Tatsache, die mir hier immer wieder Magenschmerzen bereitet, ist der Umgang mit Tieren und in meinem Fall besonders mit den Hunden. Man sieht nicht selten einen Hund an einer Kette von ungefähr 60 cm, drei Hunde in einem 2qm großen Zwinger oder Hundewelpen in Zoohandlungen. Da haben es die vielen Straßenhunde schon fast besser als manch anderer Hund, der sich in Besitz eines Menschen weiß.

Da ich diesen Blog-Eintrag nur ungern so negativ abschließen möchte, muss ich zum Schluss anmerken, dass ich mich bald als Börekmeister bezeichnen kann. So habe ich schon drei unterschiedliche Varianten gelernt und werde das Wissen über die Zubereitung dieser tollen Köstlichkeit mit Freuden nach Hause nehmen.

Ein schwerer Abschied und was man daraus macht

Montag, 17.03.2014

-- 10.03.2014 – 16.03.2014 --

 

Da hat man gerade einen Menschen in sein Herz geschlossen, da verlässt er einen auch schon wieder. In dieser Woche ist eine für mich inzwischen gute Freundin (nach sechs Monaten Aufenthalt in der Stiftung) zurück nach Deutschland gegangen.

Neben der aufkommenden Trauer, dass sie mit mir in der Stiftung keine Zeit mehr verbringen wird, wurde mir meine eigene Kurzlebigkeit hier vor Ort bewusst. Etwas gedrückt saß ich in den nächsten Tag beim Mittagessen und ertappte mich dabei, wie ich nach ihr Ausschau hielt… wann sie dann nun endlich auftaucht, sich neben mich setzt und mir ihre Eindrücke des Tages erzählt. Aber ihr Geist spukte nur in den Räumen und kein blondes Mädchen erschien.

Dies sind die Dinge, die man neben der neuen Sprache und dem neuen beruflichen Umfeld zu lernen hat. Zuerst wird man mit dem Problem konfrontiert, die Liebsten Daheim zu lassen. Dann sieht man während des Praktikums die Menschen kommen und gehen bis man sich selbst auch von inzwischen lieb gewonnenen Menschen wieder verabschieden muss.

Mit einem Blick auf dem Kalender wurde mir bewusst, dass mir diese Gedanke genau in der Mitte des Praktikums kam... vielleicht kein schlechter Zeitpunkt.

Aber mein Grundkonsens ist ein positiver. So heißt es für mich: die verbleibende Zeit genießen und sich so langsam schon wieder auf die Familie und Freunde Daheim freuen.

Getreu nach diesem Motto wurde am Ende der Woche in der Stiftung eine kleine Party veranstaltet. Bereits den ganzen Tag über wurden Vorbereitungen dafür getroffen. Man sah viele Menschen Tische und Stühle rücken, andere Besorgungen tätigen und die Küche aus den Nähten platzen. Abends wurde dann erst einmal der bunte und absolut leckere Querschnitt der türkischen Küche verspeist, bevor der Raum abgedunkelt und die Musik angeschaltet wurde. Es dauerte wohl keine Minute bis die 12 bis 15 jährigen Mädchen auf die Tanzfläche stürmten und sie einfach rockten. Bei diesem Anblick wird einem bewusst, dass sich der Aufwand des Tages gelohnt hat.

Dies kann man auch auf die Arbeit in der Stiftung verallgemeinern. Auch wenn es für mich oder andere Mitarbeiter manchmal anstrengend sein mag- für die Kinder hier vor Ort lohnt es sich auf jeden Fall.

Misafir

Montag, 10.03.2014

-- 03.03.2014 – 09.03.2014 --

 

Da ich mich hier in der Stiftung und auch der Türkei schon recht gut eingelebt habe, hat sich gewissermaßen der Alltag schon eingeschlichen. Diese Woche sollte sich jedoch etwas anders gestalten als es meine Gewohnheit bisher hergab.

Eine der Frauen, die in der Küche arbeitet, brachte in den letzten Wochen des Öfteren ihre Kinder mit zur Arbeit. Diese aufgeweckten, neugierigen und äußerst liebevollen Kinder haben mich, und ich sie, sofort ins Herz geschlossen. Unter anderem aus diesem Grund wollte die Köchin, dass ich sie Daheim besuche und auch ihren Ehemann kennen lerne.

So machten wir uns gemeinsam nach der Arbeit auf in das nächste Dorf. Dort angekommen, wurden wir alle erst einmal mit allerlei Nüssen ausgestatten, um einen Spaziergang mit der Familie und mir zu unternehmen. Stolz wurde mir die Gegend gezeigt. Von der neuen Schule bis zu den Picknick- Plätzen, die im Sommer gern und oft mit Freunden und bekannten Familien genutzt werden.

Wieder bei ihr angekommen, ging das große Fressen weiter. Vollgestopft mit Huhn, Reis und Allerlei kamen schon die ersten Freundinnen meiner Stiftungskollegin. Nicht erst nach der dritten Teerunde waren alle anwesenden Damen höchstinteressiert, wo ich denn herkäme, was ich in Deutschland mache, wie mir die Türkei gefalle, ob ich denn einen Freund habe und so weiter und so fort

Bevor ich dorthin gefahren bin, war ich zwar echt geschmeichelt davon, dass sie mich unbedingt bei sich Zuhause als Gast haben möchte, aber dennoch auch etwas nervös. Was erwartet mich dort? Wie verhalte ich mich? Wie wird sich der ganze Abend gestalten?

Als wir jedoch am nächsten Tag gemeinsam an der Bushaltestelle standen, war ich sehr froh darüber mit ihr mitgegangen zu sein und diese Erfahrung mitgemacht zu haben. Ich habe die Türkei und das türkische Leben noch einmal ganz anders und auch viel persönlicher kennen gelernt.

Vom Neuzugang und dem Alltag

Montag, 03.03.2014

-- 24.02.2014 – 02.03.2014 –

 

In dieser Woche sollte unsere große Familie ein neues Mitglied dazu bekommen- eine weitere Freiwillige, die ebenso aus Deutschland kommt.

Angesichts des erwünschten sprachlichen Fortschritts, ist das natürlich nicht sonderlich förderlich. Zieht man jedoch in Betracht, dass man sich den ganzen Tag gebrochen und mit Händen und Füßen verständigt, tut es doch sehr gut am Abend einmal ausgelassen quatschen zu können. Und genau das haben wir auch von Anfang an getan. Da heißt es `man treffe sich auf eine Zigarette´ und dann werden aus diesen geplanten fünf Minuten mal ganz schnell drei bis vier Stunden.

Am nächsten Tag quält man sich total zerknautscht aus dem Bett und schwört sich wie jeden Morgen, dass man heute aber früher ins Bett gehen wird.Da kann nur ein Schwarztee helfen- also ab in die Küche! Bei einem Plausch und frisch gebrühtem Tee versucht man die Lebensgeister wieder zu erwecken und sich für den Tag fit zu machen. Dieses allgegenwärtige Schwarztee – Lebensgefühl und meine inzwischen schon spürbare Abhängigkeit danach… lassen sich kaum mit Worten beschreiben. Meine gelbbraun gefärbten Zähne sagen aber mehr als tausend Worte. Aber solch Dinge sind schnell vergessen, genauso wie die Müdigkeit, wenn man in das liebevolle Gesicht der Küchenchefin blickt, die einem es nicht gestattet die erste Zigarette des Tages zu rauchen, bevor man nicht vor ihren Augen den selbst gemachten Börek verspeist hat. Neben dieser mütterlichen Fürsorge muss man dann während der Mittagspause auch einmal als Haarmodel herhalten und bekommt die dritte geflochtene Frisur der Woche verpasst. Um einen herumstehend drei weitere Frauen, die das Geschehen genau begutachten und einem danach bestimmt zwanzig mal sagen, wie schön man denn sei. Bei der vom türkischen Wasser geknechteten Haut sieht man das selbst zwar ein wenig anders, aber dennoch ist die Herzlichkeit, die einem hier Tag für Tag entgegenkommt zuweilen überwältigend und macht mich nicht nur selten etwas wehmütig, wenn ich an die geplante Heimkehr denke.

 

Zwar freut man sich schon jetzt darauf die Liebsten wieder in die Arme zu schließen, aber solch Verhalten untereinander werde ich in unserem kalten Deutschland das ein oder andere Mal vermissen.

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.